Wendon Seno

Nach einer Panne in der Savanne habe ich mein Moped beim Mechaniker gelassen und bin am nächsten Tag mit Mbaye, seinem Pferd Marle und einem Pferdekarren weiter gefahren. Nach einer 5 stündigen Holperpartie durch das Nirgendwo bei Ollis letzten Standort angekommen. Sogleich haben wir uns vor den nicht zu unterschätzenden 43° im Schatten eines Baumes versteckt.

Als zwei Männer – Mouctar und Samba- vorbeikamen, fragte Mbaye auf Wolof nach den Störchen. Mouctar erzählte, dass es hier viele gibt. Wenn wir möchten, können wir bei ihnen im Dorf übernachten und er würde sie uns am nächsten Tag zeigen. In dem Moment ruft Samba uns zu und zeigt in den Himmel. Eine Gruppe von Weißtörchen flogen über unsere Köpfe. Sofort holte ich das Senderauslesegerät raus und peilte mit der Antenne Richtung segelnder schwarzer Punkte in zunehmender Entfernung..Pieps, 6382C, Storch Olli ist hier.

Am Abend bei Tee und Reis fragte ich Mbaye, ob er Mouctar fragen kann, ob ich ein paar Tage hier bleiben könnte. “Pas de problème“ ließ er mich wissen. Ich bin 5 Tage in Wendon Seno geblieben, ein Dorf mit ca. 20 Menschen, 40 Ziegen, 33 Kühen, vielen Eseln,  einem Pferd und täglichem Storchenüberflug. In der Früh und am Abend habe ich die Störche besucht, tagsüber habe ich den sehr entspannten Alltag eines erwachsenen Mannes der Tukuloren verbracht.

Verständigt haben wir uns mit Händen und Füßen und 3 Wörtern Französisch, die  Sprachen im Dorf sind Pulaar und Wolof. Die Beziehung zu den “bar dum leg“ (Weißstorch auf Pulaar) ist sehr entspannt. So wie es scheint, haben die Störche  kein großes Interesse am Menschen. Die Bewohner*innen von Wendon Seno tolerieren die Störche als einen weiteren, temporären Bewohner der Savanne. Es ist ein Nebeneinander ohne größerer Verflechtungen und Erzählungen.

Bis heute. Ab jetzt wird der Anblick eines Weißstorches sie hoffentlich an die gemeinsam verbrachten Tage mit “Maurice, le Toubab“ erinnern.

Ich bin gerade in Dagana und werde morgen früh wieder aufs reparierte Motorrad steigen. Die lange Fahrt nach Kidira erwartet mich. Hoffentlich mal eine pannenfreie Fahrt.

Fièvre tropicale

Mein erster Kontakt mit Senegals Krankenhäuser war etwas nervenaufreibend. Ein Verdacht auf Malaria ließ mich einen Bluttest machen, der negativ war. Nach zwei weiteren Tagen hohen Fiebers gab mir ein kluger Arzt trotzdem ein Antimalaria-Mittel und das Fieber war schlagartig vorbei. Santé!

Doch jetzt ausgefiebert, die Savanne ruft. Ich bereite gerade alles für meine Reise zu Malis Grenze vor. Das allerwichtigste ist schon mal besorgt:

Twix scheint nicht an einer Reise über den Fluss in den Senegal interessiert zu sein. Ihr letzter Standort war aus meiner Sicht fernöstlich. Olli dagegen ist der Savanne treu geblieben. Sein Standort liegt nahezu direkt auf dem Weg nach Kidira, dieser wird meine erste Station sein.

Sur le fleuve

Meine Storchentänze zeigen Erfolg; Die neuen Aktualisierungen zeigen Twix in Richtung Westen bzw. Senegal fliegen; Zwar war es nur ein Tagesausflug, dennoch lässt es mich hoffen, dass Twix zu mir kommen wird. Nach reichlicher Überlegung habe ich mich aufgrund eines zu hohen Risikos gegen eine Reise in Mauretaniens und Malis Grenzregionen entschieden. Ich werde im Senegal bleiben und warten, bis die mauretanischen Seen der Regenzeit austrocknen und Twix über den Fluss kommt.

Im Norden Senegals liegen die größten Reisanbaugebiete des Landes. Die meist französischen Reisunternehmer sorgen auch in der Trockenzeit für ausreichend Feuchtgebiete. Senegalesisches Wasser für europäischen Reis und „europäische“ Zugvögel.

Seit 2 Wochen wohne ich bei Jean Marie, ein französischer Ornithologe, der Vögel und Zigaretten ziemlich gut findet. Mit seiner Hilfe versuche ich mich gerade hier etwas einzurichten. In den nächsten Tagen werden wir Weißstorch Olli besuchen. Er ist in diesem Jahr einer der ersten besenderten Weißstörche aus Europa. Er wird sich sicher sehr gut mit seinen afrikanischen Artgenossen verstehen. Zumindest kommen sie mir äußerst sympathisch vor.

Seit Mitte September ist Twix die letzte Störchin ihres Nestes aus Kleinfischlingen. Soweiwa ist in der Nähe von Malaga durch einen Stromschlag umgekommen. SÜWE IV starb wie schon berichtet in Marokko an unbekannter Ursache.

Twix alive

Nach zwei Wochen Sendepause gibt es wieder ein Lebenszeichen von Twix. Was für eine Nachricht.

Ich kann es kaum glauben. Ich hatte schon alles für die Fahrt zu ihrem letzten Standpunkt in Marokko vorbereitet. Flugticket gebucht, Busticket gekauft, Leihauto reserviert..

Ob ich in Mauretanien so weit nach Osten bzw. -wenn Twix weiter fliegt- nach Mali fahren werde, ist noch ungewiss. Ich werde mir erst mal ansehen, wie storch sich südlich der Sahara weiter bewegt.

L’Aéropostale de Senegal

Nach 4 Tagen und 2984 km in St. Louis angekommen. Mit dem Auto durch Marokko, Western-Sahara und Mauretanien in den Senegal zu fahren war eine intensive Angelegenheit.

Ab dem Grenzort Rosso bin ich alleine weiter gefahren, das Auto von Francisco und Younes war älter als 8 Jahre und durfte nicht eingeführt werden. Ein Gesetz, was den Handel mit alten Autos von Europa nach Afrika eindämmen soll.

In St. Louis wohne ich in einem Zimmer hinter dem sagenumwobenen Hôtel de La Poste. Als erste französische Stadt einer französischen Kolonie hat St. Louis eine lange Tradition des postalischen Austausches zwischen Frankreich und dem Senegal. L’Aéropostale war einer der ersten interkontinentalen Luftpostagenturen der Welt. Piloten wie Jean Mermoz und Antoine de Saint-Exupéry flogen über Jahre Briefe zwischen beiden Ländern hin und her.

In St.Louis angekommen, waren sie Stammgäste im Hôtel de La Poste. Eine Tradition, die bis heute unter Piloten zelebriert wird. Jedes Jahr findet die Rallye Toulouse-St. Louis du Senegal statt. Vorwiegend männliche, französische Piloten fliegen in einer Woche von Frankreich in den Senegal- ziemlich genau entlang der Route der von Europa in den Süden fliegenden Weißstörche.


Heute bekam ich die Nachricht, dass Süwe IV in Marokko gestorben ist. Sollte sich herausstellen, dass auch Twix nicht mehr unter den Lebenden fliegt, geht es zurück nach Malaga, Spanien, zu Soweiwas Winterquartier.

Sahara crossing

Francisco, Younes und ich sind seit gestern in Richtung Senegal unterwegs. Die zwei haben sich für 7000€ einen Mercedes Van in Deutschland gekauft und wollen ihn für 10000€ weiter verkaufen. Solange das Geschäft noch nicht abgeschlossen ist, fahren wir mit dem Auto Richtung Süden.

Außer zwei Sträußen und einer handvoll Heringsmöwen war ornithologisch bisher nicht viel zu holen. Von Twix gibt es nach wie vor keinen aktuellen Standort.

Here’s looking at you, twix

Das zweite Mal bin ich über 3 Tage ohne Daten Aktualisierung. Zwischen Rabat und Casablanca hin und her gefahren. Mir ist bisher kaum ein so phänomenal koordiniertes Durcheinander begegnet, wie das Kommen und Gehen auf marokkanischen Busbahnhöfen.

Die Zeiträume ohne Aktualisierung machen fabelhafte Spekulationen möglich. Ich stelle mir vor, wie Twix die Wüste überquert, wie sie irgendwas statt in der Nase im Schnabel hat und immer weiter fliegt. Sich vorzustellen, wie heiß diese Flugstunden sein müssen. Was kommt, was noch nicht war? Wer kann beurteilen, was die Durchquerung der Sahara für einen Wert hat?

Ich werde ihr folgen.

“Wie durchquert man eine Wüste?“ frage ich mich als Mensch. Am besten am Boden bleiben. Ich will die Distanz in meinem Sitzfleisch spüren. Morgen werde ich mein mauretanisches Visum abholen und einen Bus finden. Der Pförtner der Botschaft hat mir gesteckt, dass zwei Spanier, ein Marokkaner und ein Holländer mit einem Bus nach Senegal fahren wollen. Morgen um 14 Uhr werde ich sie treffen.