n.y.crooked

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n.y.crooked

2019

B/W Fotografie, 30cm x 40cm

„Mit der Erfindung der Perspektive schrumpft die räumliche Dimension auf die Fläche. Aus einer Welt, in der Menschen drin sind wird eine Fläche, vor der ein Zuschauer steht. Der bewegte Raum, der die Menschen durchzieht und trägt, wird abgeschnitten und auf statische Positionen festgestellt.“[1] Nimmt man die geometrische Perspektive ernst, hat man ein mächtiges und bedeutungsstiftendes Instrument zur Hand. Laut Franz Xaver Baier ermöglicht sie eine „vollständige Geometrisierung des Lebensraumes“[2], sie kann die Wirklichkeit auseinandertreten und Menschen deutlich sehen lassen. Deutlich sichtbar werden städtebauliche, sozialökonomische und herrschaftliche Verhältnisse. Die Vertikalen einer Stadt erzählen von herrschaftlicher Präsenz, vom Finanzwesen und Kapital. Die Perspektive des am Fuße eines Hochhauses stehenden und emporblickenden Fußgängers macht Eindruck und verortet. Die Idee des perspektivisch geordneten Stadtraum ist eine sehr populäre Form urbaner Repräsentation. Perspektivisch geordnete Bilder bestärken daher eine geometrisierte Wirklichkeit.

Drei Fragen, die sich mir stellen: Wie kann eine mediale Repräsentation, eine Fotografie einer Stadt überhaupt der Geometrisierung durch die Perspektive entkommen? Wie lässt sich die Omnipräsenz von geometrisierten Räumen umgehen? Wie entkommt man der Idee der einen Perspektive, wenn diese zu meinem elementaren Gestaltungsrepertoire gehört?

In meinem Versuch geht es nicht darum, aperspektivisch zu sein oder die Perspektive zu vergessen. Ich möchte versuchen, den vermeintlich soliden und unberührbaren Status dieser zu sprengen. Ich möchte mit der Idee der solitären Perspektive brechen, sie in einem dynamischen und polyperspektivischen Raumgeschehen erweitern. Dabei bediene ich mich der Strategie der Überblendung mehrerer perspektivischer Räume. Die Überlagerung räumlich verschiedener Stadtansichten hinterfragt die Singularität des fotografischen Moments und lehnt die Kategorie der Perspektive als primäre Wirklichkeitsform ab.

[1] Baier, Franz Xaver. „Raum: Prolegomena zu einer Architektur des gelebten Raumes“. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2000, S.17

[2] Ebd., S. 14