L’Aéropostale de Senegal

Nach 4 Tagen und 2984 km in St. Louis angekommen. Mit dem Auto durch Marokko, Western-Sahara und Mauretanien in den Senegal zu fahren war eine intensive Angelegenheit.

Ab dem Grenzort Rosso bin ich alleine weiter gefahren, das Auto von Francisco und Younes war älter als 8 Jahre und durfte nicht eingeführt werden. Ein Gesetz, was den Handel mit alten Autos von Europa nach Afrika eindämmen soll.

In St. Louis wohne ich in einem Zimmer hinter dem sagenumwobenen Hôtel de La Poste. Als erste französische Stadt einer französischen Kolonie hat St. Louis eine lange Tradition des postalischen Austausches zwischen Frankreich und dem Senegal. L’Aéropostale war einer der ersten interkontinentalen Luftpostagenturen der Welt. Piloten wie Jean Mermoz und Antoine de Saint-Exupéry flogen über Jahre Briefe zwischen beiden Ländern hin und her.

In St.Louis angekommen, waren sie Stammgäste im Hôtel de La Poste. Eine Tradition, die bis heute unter Piloten zelebriert wird. Jedes Jahr findet die Rallye Toulouse-St. Louis du Senegal statt. Vorwiegend männliche, französische Piloten fliegen in einer Woche von Frankreich nach Senegal- ziemlich genau entlang der Route der von Deutschland in den Süden fliegenden Weißstörche.


Heute bekam ich die Nachricht, dass Süwe IV in Marokko gestorben ist. Sollte sich herausstellen, dass auch Twix nicht mehr unter den Lebenden fliegt, geht es zurück nach Malaga, Spanien, zu Soweiwas Winterquartier.

Sahara crossing

Francisco, Younes und ich sind seit gestern in Richtung Senegal unterwegs. Die zwei haben sich für 7000€ einen Mercedes Van in Deutschland gekauft und wollen ihn für 10000€ weiter verkaufen. Solange das Geschäft noch nicht abgeschlossen ist, fahren wir mit dem Auto Richtung Süden.

Außer zwei Sträuße und eine handvoll Heringsmöwen waren nicht viele Vögel unterwegs. Von Twix gibt es nach wie vor keinen aktuellen Standort.

Here’s looking at you, twix

Das zweite Mal über 3 Tage ohne data. Zwischen Rabat und Casablanca hin und her gefahren. Mir ist bisher kaum ein so phänomenal koordiniertes Durcheinander begegnet, wie das Kommen und Gehen auf marokkanischen Busbahnhöfen.

Die Zeiträume ohne Aktualisierung machen fabelhafte Spekulationen möglich. Ich stelle mir vor, wie Twix die Wüste überquert, wie er irgendwas statt in der Nase im Schnabel hat und immer weiter fliegt. Sich vorzustellen, wie heiß diese Flugstunden sein müssen. Was kommt, was noch nicht war? Wer kann beurteilen, was die Durchquerung der Sahara für einen Wert hat?

Ich werde ihm gleichtun.

“Wie durchquert man eine Wüste?“ frage ich mich als Mensch. Am besten am Boden bleiben. Ich will die Distanz in meinem Sitzfleisch spüren. Morgen werde ich mein mauretanisches Visum abholen und einen Bus finden. Der Pförtner der Botschaft hat mir gesteckt, dass zwei Spanier, ein Marokkaner und ein Holländer mit einem Bus nach Senegal fahren wollen. Morgen um 14 Uhr werde ich sie treffen.

Tangier-Rabat-

32€ und 35 Min. kostet mich die Überfahrt nach Marokko. In Tangier angekommen teile ich mir das Hotel Olid größtenteils mit afrikanischen Gästen, die nach Europa wollen. Ihre Überfahrt ist illegal, dauert 5 Stunden und kostet Minimum 2000€.

Am nächsten Tag nehme ich den Bus nach Rabat um der deutschen Botschaft von meinem Vorhaben zu erzählen. Trotz Hemd und gepflegtem Deutsch komme ich nicht weiter als bis zum Pförtner. Nichtsdestotrotz erhalte ich eine Mail-Adresse des deutschen Kulturattachés Jörg Grotjohann.

Der junge Mann meiner Unterkunft in Rabat erzählt mir, dass Störche hier als müllliebende Vögel bekannt sind und den Namen لقلق (laqlaq) tragen.

So wie es aussieht, wird Marokko nicht lange mein Aufenthaltsort sein. Die letzte Aktualisierung zeigt Twix in direktem Anflug nach Western-Sahara. Im Gegensatz zu ihm brauche ich für die Fahrt durch die Wüste ein Visa für Mauretanien. Die Botschaft in Rabat wird erst Montag wieder aufmachen. Bis dahin werde ich Casablanca einen Besuch abstatten und sehen, ob Twix tatsächlich die Sahara überqueren wird.

Gibraltar crossing

3 Tage lang ohne Aktualisierung der Standorte in Tarifa und Cádiz verbracht. Zum ersten Mal habe ich mich etwas orientierungslos gefühlt. Gestern Storch Linus A aus dem Schlamm des Rio Guadalete geborgen.

Zufällig befanden sich in unmittelbarer Nähe des Fundortes zwei geparkte Autos mit einigen Kilo Haschisch. Es hat eine Weile gedauert den Polizisten glaubhaft zu machen, dass ich wegen eines toten Storches hier im Nirgendwo unterwegs bin.

Twix ist seit ein paar Tagen in Marokko. Auch Soweiwa bewegt sich nach zwei Wochen der Seßhaftigkeit Richtung Gibraltar. Ich selbst werde nach diesem kurzen Intermezzo schließlich auch den Gibraltar überqueren.

Auf Wiedersehen Europa أوروبا إلى اللَقاء

Waiting for data

Während der Nacht im Bus nach Tarifa Timothy aus Nigeria kennengelernt. Über Senegal-Mali-Marokko kam er vor 20 Jahren nach Spanien. Sein Statement zur europäischen Flüchtlingspolitik ist klar und deutlich: Grenzen auf und willkommen heißen. Größtenteils wegen europäischen Konzernen haben nigerianische Menschen kaum Perspektiven im eigenen Land und entschließen sich zur Flucht. Er selbst war gerade auf dem Weg nach Málaga um einen gekauften Lastwagen nach Nigeria zu schicken.

In Tarifa angekommen warten der Gibraltar, die Antenne und ich gespannt auf Twix Überflug nach Marokko. Von meiner Strandstation aus erscheint die Welt am Mittelmeer in spätsommerlicher Ordnung.

.